Zur Zeit starten sie ja gerade wieder. Unerschrockene Buben und Mädels, unterwegs mit Renn- oder Bergrad’ln, auf dem Weg nach Süden über die Alpen.
Transalp.
Hmm, ich hatte das Wochenende frei und der Wetterbericht war ganz okay, also habe ich was ähnliches gemacht.
Allerdings etwas kleiner, dafür unsupported, quasi “by fair means”.
Die TransEster, quer durch einen den meisten unbekannten Gebirgszug der bayrischen Voralpen, das Estergebirge, von Eschenlohe bis Garmisch.
Von der Hohen Kisten bis zum Wank (gute Infos findet man unter Steinmandl.de)
Witzigerweise beginnt das Estergebirge genau dort, wo die Meisten auf dem Weg in den Süden im Stau am Ende der A 95 stehen und kaum ein Auge für die Landschaft neben der Schlange haben.
Also, wegen Staugefahr dieses Mal mit dem Zug von München nach Eschenlohe, in 1:24 h von mir in München-Sendling kaum zu unterbieten.
Allerdings hat der Wetterbericht die tatsächliche Lage doch etwas geschönt…
Und die Baustelle am Bhf war mir auch neu und ich hätte den Weg beinahe nicht gefunden. Ging ja gut los.

Kurz nach 9:00 h in Eschenlohe am Bahnhof (650m) sah es dann auch nicht viel besser aus, aber hey, der Berg ruft. Und vielleicht merkt er sich auch, wenn man ihm nicht folgt und ist dann beleidigt…
Wollte ich nicht riskieren
Und falls er nicht nur rufen, sondern auch zuhören sollte, habe ich laut “Passt scho” gedacht und bin los.

Zuerst ging es einen langen Straßenhatscher bergauf auf breitem Forstweg bis zum Brandeck. Scheinbar war früher am Morgen gerade Almauftrieb gewesen, denn die Locals waren gerade dabei, diverse Elektrozäune rechts und links am Wegesrand abzubauen und das ganze Gelände war heftigst vermint. Viele Cowdrops machten den langen Weg abwechslungsreich…
Kurz nach dem Brandeck (auf ca. 1100m) ging dann endlich der Steig über die Hohe Kisten zum Krottenkopf und zur Weilheimer Hütte. Falls das jetzt bekannt vorkommt, stimmt das. Letztes Jahr bin ich von Süden her schon mal u.A. auf den Krottenkopf (siehe hier).

Steil und auch mit einigen Drahtseilsicherungen, aber durch recht beeindruckende Landschaft, ging es zum Pustertal Jagdhaus auf eine Hochwiese, ideal gelegen für eine Hütte. Mit normalerweise fantastischer Aussicht.




Hier war auch ungefähr die Hälfte des Aufstiegs zur Hohen Kisten geschafft, sodaß ich nach (und trotz) eines prüfenden Blickes nach oben auf den restlichen Weg eine kurze Rast eingelegt habe.


Zuerst durch Latschen, dann in engen Serpentinen durch ein Geröllfeld, habe ich schnell Höhe gewonnen und zwischendurch, beim Blick über die Schulter zurück, ist doch tatsächlich die Sicht ein bisschen aufgeklart.
Man konnte auch unten den Walchensee glitzern sehen links neben dem Simetsberg (da war also die Sonne…) und hatte einen guten Blick auf einen der Klassiker im bayrischen Voralpenraum – dem Weg am Grat vom Herzogstand zum Heimgarten.


Durch das Pustertal-Kar habe ich dann den nördlichen “Rand” des Michelfeldes erreicht. Es sieht aus wie ein riesiges Hochtal, fast wie eine Almwiese in einem grossem Krater, umgeben von den Gipfeln des nördlichen Estergebirges. Ist natürlich nicht vulkanisch, sieht aber so aus.



Von Osten näherte ich mich jetzt der Hohen Kisten, die nur noch einen kurzen Austieg entfernt war.
Allerdings sah ich das Gipfelkreuz von links…
Ich habe dann also eine Variante zum Gipfel genommen – sprich, ich bin an der eigentlichen Abzweigung vorbeigelaufen.

Von oben sah man dann meinen Startpunkt Eschenlohe und ein bisschen sogar die Voralpenseen im Hintergrund.
Bei bester Sicht hätte man vielleicht sogar bis München gesehen, wer weiss.


Auf 1922 m war ich allerdings noch nicht ganz am heutigen Tagesziel. Ich wollte noch zur Weilheimer Hütte.
Die Beiden rechts vom Kreuz blickten genau dorthin. Also weiter am “Kraterrand” entlang und erst dort sah man, das die Kisten doch auch recht eindrucksvoll aussehen konnte.



Leider ging es wieder etwas bergab, dann aber in einem leichten Bogen unter dem Archtalkopf vorbei nach Süden auf die Weilheimer Hütte, die genau auf einem Sattel zwischen Rißkopf und Krottenkopf liegt.



Das Wetter änderte sich minütlich und auf den letzten paar 100 Metern hat es dann doch noch zu regnen angefangen.


Die WM-Hütte (1946 m) lag dann etwa wieder so hoch wie die Kisten und ich hatte mir mit insgesamt 1450 m Aufstieg eine kleine Belohnung verdient.
Indem Fall ein Haferl Kaffe und eine Portion Nussecken von der Oma von Christian, dem Hüttenwirt, gebacken.
Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich rauf auf den Krottenkopf, aber der war irgendwie nicht mehr da.


Anja hatte Nachtschicht und wir haben uns gegen 11:00 h auf der Esterbergalm verabredet.
Eigentlich wollte ich über den Sattel auf den Bischof oder den Hohen Fricken runter zur Alm, aber auch dieser Weg war weg…

Also habe ich den “Normalweg” an der Materialseilbahn vorbei gewählt.


Das Wetter klarte endlich auf und nach knapp 1:45h kam ich an der Esterberg Alm (1264 m) an.



Wir hatten uns locker zum Kaffee verabredet.
Ich hatte gerade die Ziegenherde entdeckt und mir ein Haferl bestellt, da war sie auch schon da. Klasse Timing


Nach “kurzer Verschnaufpause” sind wir aufgebrochen in Richtung Gschwandtner Bauer. Der Weg um den Wank herum führte bei bester Aussicht auf das Wettersteinmassiv in wenigen Stunden zurück nach Garmisch.
Und der Gschwandtner Bauer ist berühmt für seine Küche.



Bei unserer Verpflegungsstation angekommen hatten wir quasi einen Platz in der ersten Reihe.
Vor uns der gesamte Wettersteinkamm bei strahlendem Sonnenschein, auf dem Tisch ein klasse Schweinsbraten, respektive ein extraordinärer Käsekuchen, und viel Local Wildlive, hehe.




Letztere war gerade auf dem Weg zum Shooting für den neuen Bauernkalender.
Ehrlich jetzt. Zumindest stand das auf den T-Shirts von den Schergen, die auf der benachbarten Wiese das Set aufbauten.
Und wir durften dabei sein. Was für ein Tag.
Zurück ging es südlich unter dem Wank vorbei nach Partenkirchen.
Auf teils breiten Wegen, aber auch schattigen Alleen und alten Villen vorbei. Immer in Sicht Alpspitz oder Zugspitz.




Anja hatte das Auto an der Wankbahn geparkt.
Da konnte man von unten nochmal hochsehen, mit allem, was das Klischee so zu bieten hatte.

Inklusive eines kurzen patriotischen Moments.

Also, bis zum nächsten Mal.
S.